Nach Australien …

Die Zeit in Australien ist vorüber. Die letzten Tage vor dem Kloster auch. Morgen wird es ernst, der Eintritt. Nach langem Ringen mit Vorfreude, Fragen, Unsicherheit, Fluchtgedanken, Überzeugung. Gut hätte ich mir zur Zeit auch noch andere Optionen vorstellen können. Aber Gott sagte “Geh”. Und (so sagte es mir eine junge Frau nach einer Gebetszeit) “Ich gehe vor dir her”. Was kann ich da anderes tun?!

Viele haben mich gebeten, dass ich von mir hören lasse, wie es mir im Kloster ergeht. Nach einigem Überlegen habe ich mich daher entschieden, dieses Tagebuch weiterzuführen, “aus dem Leben jenseits jener Wüste down under, das – wie die Wüste selbst – immer mal wieder eher karg und unwirtlich scheint, aber doch voller Überraschungen steckt!”, wie einer der Kommentatoren so schön schrieb (danke!). Insofern bleibt auch der Name, er passt weiterhin.

Was immer kommen wird, es steht in Gottes Namen. Darum für heute nur noch diese moderne Umsetzung unseres uralten Glaubensbekenntnisses:

11.10.14 Zurück …

Nach einem entspannten zweiten Flug begrüßte uns Deutschland mit vielen Wolken … erwähnte ich schon, dass ich zurück in die Sonne will? Meine Mutter holte mich mit Blumen ab und nach 42 Stunden war die Dusche die beste Erfrischung. Mutig fuhr ich später noch zum Einkaufen – prompt ging wieder der Scheibenwischer … wo ist nochmal der Blinker? in welche Richtung fährt man im Kreisverkehr? Morgen nach Frankfurt nehme ich den Zug!!!

Irgendwie ist das Herz noch in Australien. Aber nun bin ich wieder hier und überlege, was alles so war und passiert ist. Mal sehen:

  • viele schöne Begegnungen mit Menschen entlang des Weges
  • viele hilfsbereite Menschen
  • wunderbares Wiedersehen mit lieben Menschen in Brisbane und Toowoomba + Kennenlernen neuer Menschen 🙂
  • unzählige Gelegenheiten zur Freude und Dankbarkeit
  • mancher Moment des Entsetzens angesichts der europäischen Kolonialgeschichte in Australien und deren noch aktuellen Folgen
  • 5 Flüge und Flughäfen
  • 4 Zeitzonen
  • ca. 32430 Kilometer per Flugzeug
  • 0 verlorene / beschädigte Gepäckstücke
  • 5698 Kilometer per Auto
  • ca. 860 Liter Diesel
  • 0 Autopannen 🙂
  • 1 kaputter Scheinwerfer (Steinschlag)
  • 1 anderes beschädigtes Auto (Wind schlug meine Tür aus der Hand), aber dessen Besitzer wollte keinen Ausgleich dafür
  • 2 Liter Motoröl aufgrund plötzlich hohen Verbrauchs
  • nach Bereinigung: 2093 Fotos
  • 2 Bootsfahrten
  • 1 Schnorcheltag an 2 Riffen
  • 2 Ozeane
  • 1 Nacht unter Palmen
  • einige Nächte unter traumhaftem Sternenhimmel
  • 2 Regenschauer
  • unzählige Papageien, Kakadus, Finken, Rinder, Schmetterlinge, Fliegen, Eidechsen
  • etwas weniger Känguruhs, Wallabies, Emus, Dingos, Kamele, Schwäne, Adler
  • 1 Schlange
  • unzählige Wildblumen
  • einige Termitenhügel
  • nur 2 wirklich brenzlige Situationen mit dem Auto
  • 2 Stichflammen aus Campingkocher
  • 4 Sonnenbrände
  • 1 Sonnenstich
  • 2 Spinnenbisse (Redback, heilen nur langsam, daher kamen Muskelschmerzen und Übelkeit)
  • diverse Prellungen
  • 11 Museen
  • 1 Wildblumen-Show
  • 1 große Mine und manch kleine
  • einige Busch-Pubs
  • 1 Kloster
  • 14 Kirchen
  • 8 Gottesdienste
  • unzählige Gebete
  • 4 Taxifahrten
  • 5 Geisterstädte
  • 7 Geisterbahnhöfe
  • 1 Predigt
  • viele Spaziergänge und kleine Wanderungen
  • 1 Wetterstation
  • 1 zurückgesetzes Mobiltelefon
  • 2 neue Simkarten
  • 1 neuer Rock
  • 2 neue Paar Schuhe
  • 1 Massage
  • viele besorgte Rückfragen, wenn ich mal nicht bloggen konnte / wollte
  • viele liebe Rückmeldungen
  • 1 zerstörter Autoatlas
  • 1 verlorene Halskette
  • 1 ruiniertes Paar Schuhe
  • unzählige Stunden mit Liedern und Hörbüchern
  • 1 (ungenutztes) Wörterbuch
  • zu wenig geschriebene Postkarten (bitte nicht enttäuscht sein)
  • unschätzbare neue Erfahrungen, Gedanken, Hoffnungen, Wünsche
  • neues Selbstbewusstsein
  • … 

Bilder:
1. A380 in Dubai
2. Stadtrundflug
3. Welcome to Germany
4. Flughafen Dubai

10.10.14 Abschied // 11.10.14 Dubai

Mag keine Abschiede, und dieser ist mir besonders schwergefallen … Als wir uns am Flughafen Brisbane in der Drop-Off-Zone verabschiedet hatten, sprach mich einer der Ordner dort mitfühlend an und meinte, ihm fiele es immer schwer, die Abschiede mitanzusehen und ggf. auch noch die Leute (mit den Autos) wegschicken zu müssen, wenn viel los sei.
Tja, und danach habe ich 15 Stunden in der Blechröhre verbracht (14:20 Flug). Mein längster Flug am Stück bisher und da er in die Nacht hineinging, auch die gesamte Zeit im Dunkeln. Schlafen war ein bissl drin, da zwischen mir und meinem Nachbarn einer der wenigen freien Plätze auf dem Flug war, was den Komfort deutlich erhöhte. Mit dem Goldhändler aus den USA habe ich mich dann aber doch länger angeregt unterhalten und wir haben uns gegenseitig die Musik auf unseren Telefonen vorgestellt (@Edgar: ihm gefiel das Album Magnificent auch sehr). Ansonsten ist der A380 auch nicht viel anders als die anderen Flieger … halt recht eng in der Holzklasse und mit so dünnen Sitzpolstern, dass die Knie des Hintermannes deutlich spürbar waren. Der Vogel braucht aufgrund der Masse so lange zum Abheben, dass man denken könnte, er kommt nicht in die Luft. Einziges Plus gegenüber anderen Flügen: eine Putzfrau fliegt mit und reinigt regelmäßig die Waschräume, das ist sehr angenehm.
Jetzt nach einem langen Spaziergang durch den Flughafen Dubai sind die Gelenke wieder etwas beweglicher und ich habe reichlich Luxusartikel, Klamotten und Computer besichtigt, die ich alle nicht brauche. Endlich ist auch wieder Tageslicht sichtbar, so schön nach einer außergewöhnlich langen Nacht durch die Zeitverschiebung 🙂
Bilder: 1. Ein letztes Foto / 2. Bei dieser Karte wäre ich gern links wieder ausgestiegen

02.-10.10.14 Toowoomba: Wiedersehen und Veränderungen

Was war es für eine Freude, endlich diese besonderen Menschen wiederzusehen! Und obwohl zwölf Jahre vergangen sind, seit ich hier war, acht seit der letzten Begegnung, war es doch im Anknüpfen, als sei es gestern gewesen. Was in dieser Woche alles geschehen ist, bleibt im letzten unsagbar und wunderbar. Es war im Rückblick das Eigentliche dieser Reise und hat mich verändert (jedoch nicht die Pläne für die Zukunft, falls da noch jemand drauf hoffen sollte).
Eine ruhige und zugleich lebendige Woche, voll mit
– Begegnungen menschlicher und göttlicher Art,
– dem Wiedererleben der Gemeinde, die mein Leben einst veränderte und die längst den Kinderschuhen entwachsen ist, inzwischen auch eine andere Kirche hat,
– erstmals wieder predigen (genau ein Jahr nach meinem letzten Mal als Pastorin),
– Spaziergängen,
– Neuentdeckungen,
– Gebet,
– Bestärkung,
– Gedanken,
– ernsthaften Gesprächen,
– ganz viel Lachen,
– … 🙂
Heute nun fliege ich zurück, voller Dankbarkeit und sehr schweren Herzens. Zu gern würde ich noch bleiben, denn das Hiersein tut mir gut. Doch es wird Zeit, die nächsten Schritte zu gehen.

01.10.14 Wiedersehen

Ganz früh ging es heute mit dem Flieger von Cairns nach Brisbane, so dass ich schon um halb neun in der Innenstadt dort ankam. Überraschenderweise konnte ich trotz der frühen Stunde schon mein Hotelzimmer beziehen, sowas find ich prima. Und danach war ich mit einer langjährigen Freundin verabredet, die ich zuletzt vor 12 Jahren gesehen habe. Das Wiedersehen war so eine Freude! Ihre Kinder kennenzulernen, besonders die Kleinste, für die wir in den letzten Monaten soviel gebetet haben. Und später auch ihren Mann. Die kannte ich ja alle bisher nur von Fotos. Abends haben wir dann einen Mädelsabend gemacht, sie hatte seit Monaten erstmals kinderfrei, und wir haben das ungestörte Miteinander sehr genossen 🙂 Auch in dem Bewusstsein, dass wir nicht wissen, ob wir uns jemals wiedersehen werden.
Bilder:
1.-4. St. Stephen’s Cathedral Brisbane (4. Kapelle für die Einheit der Kirchen – Ökumene ist hier viel weiter!)
5. 🙂
6. Brisbane bei Nacht

30.09.14 (Fast) Wie ein Fisch

Heute bin ich hinaus zum Great Barrier Reef gefahren, eine Schnorcheltour an zwei Teilen des Riffs. Mäßiger Seegang machte die Fahrt für manche andere weniger angenehm (Seekrankheit und so) … und auch später im Wasser war es gar nicht so einfach, gegen die Strömung und die Wellen anzuschwimmen. Aber das Erlebnis, Korallenbänke, Fische und Schildkröten so in ihrem Lebensraum zu erblicken, war unvergleichlich schön!!!

29.09.14 Luxus

Nachdem ich gestern schon alle übriggebliebenen Lebensmittel verschenkt habe, stand heute nur noch das Aufräumen des Autos an. Und das Packen der Sachen, deren Volumen sich auf mysteriöse Weise vergrößert hat über die letzten Wochen, obwohl ich sogar Zeug weggeworfen habe. Jedenfalls gingen die Koffr kaum zu. Den Vormittag verbrachte ich geruhsam am Holloways Beach, einem schönen Stand außerhalb von Cairns. Nachdem es am Morgen noch geregnet hatte (der erste Schauer seit Wochen, den ich erlebe), dampfte nun die Erde in der Hitze, aber mit dem Wind war es zumindest am Wasser erträglich. Und danach war Abschied angesagt, von meinem Auto, das mich doch recht treu über den ganzen Weg begleitet hat.
Anschließend im Hotel war es erstmal ganz ungewohnt, wieder so ein großes Bett, normale Möbel, eine eigene Dusche, schattigen Balkon usw. zu haben. Was für ein Luxus!
Nach einem ausgiebigen Nachmittagsschlaf bin ich dann abends auf den Night Market gegangen, wo von fragwürdigen Souvenirs über Kitsch und Klamotten auch manches Nette dargeboten wird. Ein bissle was habe ich auch eingekauft. Und mir eine Rückenmassage gegönnt, zum unschlagbaren Preis von 15$ (ca. 10€). Was tat das gut nach so langer Zeit am Steuer. Bis spät in die Nacht saß ich dann später noch in der warmen Nachtluft auf dem Balkon und habe das Leben einfach nur genossen 🙂
Bild: Holloways Beach