Social Media und Ordensleben

verabredung-twitterSoll jemand, der im Kloster lebt, in sozialen Medien aktiv sein (dürfen)? Diese Frage fördert höchst unterschiedliche Auffassungen zu Tage, vom klaren Ja bis hin zum fast panischen Nein. Ersteres meist von denen, die es nutzen. Letzteres insbesondere von denen, die wenig bis nichts von Social Media wissen.

Ich kann nur sagen, warum ich – wie dieses Blog vermuten lassen dürfte – auf der Seite der Befürworter stehe. Die Konzepte der Netzwerke sind verschieden. Bei Facebook beispielsweise kommt man zunächst hauptsächlich mit Menschen in Kontakt, die man schon „offline“ kennt, z.B. alte Schulfreunde, Kollegen, Verwandte etc. Doch über Interessensgruppen ist es möglich, auch neue Leute kennenzulernen. Wesentlich offener und insofern auf mehr neue Begegnungen ausgelegt ist Twitter, der Kurznachrichtendienst mit den 140 Zeichen. Über dieses Netzwerk habe ich schon eine ganze Reihe wunderbarer Christen kennenlernen dürfen, denen ich sonst wohl nie über den Weg gelaufen wäre. Da ist es möglich, online miteinander zu beten (z.B. bei der #twomplet = Komplet bei Twitter, jeden Abend um 21 Uhr). Am Leben des Anderen Anteil zu nehmen und selbst Anteil zu geben – nicht zur Selbstdarstellung, sondern weil mit zunehmendem Miteinander-vertrauter-Werden auf diesem Wege christliche Gemeinschaft über weite Distanzen gelebt wird. Ganz ökumenisch übrigens und mit viel Spaß und Ernsthaftigkeit, manchem Rumgeflachse und harten Diskussionen. Aus Gesprächen in der Öffentlichkeit wurden irgendwann private Nachrichten, dann Mails, Telefonate, Post und schließlich auch persönliche Treffen. Manch wunderbare Freundschaft ist auf diesem Wege entstanden 🙂 Und darüber hinaus haben viele dieser ganz realen Menschen, die sich im vermeintlich virtuellen Raum tummeln, mich viel über Gott und Nachfolge gelehrt, mir zu geistlichem Wachstum verholfen. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich dafür bin!

Für das Ordensleben empfinde ich diese Bereicherung von außen als kostbares Geschenk. Auf meinem Weg weiß ich mich begleitet von anderen, die andere Wege gehen, und dennoch meinen mittragen. Und umgekehrt natürlich auch. Da wird etwas greifbar von dem, wie Kirche gemeint ist: eine Gemeinschaft von Menschen, die miteinander auf dem Weg der Gottsuche sind, einander etwas von dem weitergeben, was sie selbst erfahren, sich gegenseitig unterstützen.
Und ich glaube, die Präsenz von Menschen, die ihren christlichen Glauben überzeugt leben – das sind ja schließlich weitaus mehr als „nur“ die Ordensleute – ist nicht zu unterschätzen. Sie bringen in ihrem Dasein auch ohne große Worte Gott mit ins Spiel, stehen dafür ein, dass es sich lohnt, Ihn zu suchen, Ihm je mehr zu vertrauen. Insofern glaube ich, dass in der aktiven Nutzung von sozialen Medien auch ein missionarisches (ein großes Wort, ich weiß) Potential liegt.

Klar, das ist meine ganz persönliche Sicht der Dinge. Ich weiß wohl, dass es auch die andere Seite der sozialen Netzwerke gibt – die permanente Selbstdarstellung, sinnfreie Inhalte, Hetze, Fanatismus usw. Ich weiß auch, dass es manche Menschen gibt, die in dieser Form der Kommunikation versacken (was z.B. im Kloster rein technisch schon kaum möglich ist in einem so eng getakteten Tag). Aber sind die schlechten Beispiele echte Gründe, soziale Medien komplett abzulehnen oder zu verteufeln? Der weise Rat des Paulus „Prüft alles und behaltet das Gute“ gilt wohl auch hier. Und Gutes gibt es reichlich zu entdecken.

Kloster heißt … ganz persönlich

Kreuzgang Herzfenster

Kloster, das heißt für mich in letzter Zeit (Reihenfolge ohne Wertung):

  • Über den eigenen Tellerrand blicken.
  • Heißgeliebte Bücher mit anderen noch einmal lesen und wieder etwas Neues
    darin entdecken.
  • Leben und Lachen mit alten Menschen. Spätabends nochmal raus. Auf dem Flur
    sitzt dösend und im Nachthemd die 90jährige Mitschwester aufm Stuhl, Füße am
    Rollator hochgelegt, und wartet, dass einer vorbeikommt, weil sie ihre
    Thrombosestrümpfe nicht ausgezogen bekommt und sich nicht traut, noch irgendwo
    zu klopfen. Beiderseitiger Lachanfall ob meines dummen Gesichts und der schrägen
    Situation.
  • Den Abwasch nach der abendlichen Gemeindemesse erledigen wollen, in die
    Küche kommen und feststellen: eine liebe Schwester hat ihn heimlich längst
    erledigt.
  • Arbeiten auf dem Steg vom Badehaus, Füße im Wasser baumeln lassen.
  • Jemanden vom Bahnhof abholen. Vor der zeitlich passgenau geplanten Abfahrt
    plötzlich von fünf verschiedenen Leuten Einkaufsaufträge in sechs Geschäften
    bekommen.
  • Weltweit viele Schwestern und Brüder haben – mit vielen Talenten. Weltweit
    Anlaufstationen haben.
  • Davon ausgehen dürfen, dass die anderen es gut meinen. Auch wenn sie es
    manchmal auf ne merkwürdige Art und Weise zeigen. 
  • Eine Schwester ist krank. Ihr Therapeut ist eingeladen und fast die ganze
    Gemeinschaft kommt am eigentlich freien Abend lange zusammen, um etwas über ihre
    Krankheit zu erfahren und wie man damit umgehen kann. 
  • Auch in der Trauer manchmal herzlich lachen können. 
  • Loslassen, von so vielen Dingen und Menschen. Loslassen müssen.
  • Mich bei Besuchen außerhalb fragen, warum ich nicht anders lebe. Beim
    Zurückkommen merken, dass ich genau so leben möchte. 
  • Überrascht werden, von Gott und Menschen.
  • Selbstgemachter Sonntag-Morgen-Cappucino nach der Messe.
  • Päckchen von lieben Menschen bekommen. Sogar von welchen, die ich persönlich
    noch gar nicht kenne.

… to be continued … 

Klosterfilm – anderer Art

Da war ich arglos auf Youtube unterwegs auf der Suche nach einem bestimmten Clip zum Thema Berufung – Suchwort „Kloster“. Präsentiert wurde mir u.a. dieser Film hier https://www.youtube.com/watch?v=7f8ncFfPBSw: ein Utta-Danella-Rührstück, das doch tatsächlich vor ein paar Jahren in unserem Kloster gedreht wurde. Wer also sehen will, wo ich mein Unwesen treibe, kann die Gärten, die Pfarrkirche und einige Innenräume filmisch besichtigen. Aber Vorsicht: Kitsch, Klischees, noch mehr Kitsch 😉 Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir sowas jemals angucken würde! Die Habite sind übrigens nicht von uns. Meine künftigen Klamotten sehen schleiertechnisch etwas anders aus. Und auch der sonstige Inhalt entspricht natürlich in keiner Weise der Realität, so benimmt sich niemand hier. Aber gut, wir sind halt auch keine Leute aus dem U-D-Drehbuch …