Wüste erleben

Wer die Startseite des Blogs aufruft, sieht in kurzen Statements das, was für mich persönlich Wüste bedeutet. Sowohl jene tatsächlichen Wüsten als auch jene in der alltäglichen Welt als auch jene in Kirche und Kloster. Alle sind geprägt von krassen Gegensätzen, Schönes und Schweres gehört untrennbar zusammen – und gerade diese Dualität macht den Reiz und die Lebendigkeit aus.

Jindalee Breakaway

nature’s desert – awesome beauty & humbling vastness
Die Wüste der Natur – berauschende Schönheit und demütig machende Weite.

So erlebte ich die landschaftlichen Wüsten. Jene arabischen und im Nahen Osten, die ich aus dem Flugzeug bewundern durfte. Jene australischen, die ich ganz erdhaft er-fahren habe. Was für eine atemberaubende Schönheit! Berge, Hügel, Täler und Ebenen in einer wunderbaren Anordnung geschaffen. Mit Farben, die sich kein Mensch ausdenken könnte. In Formen, die die Phantasie beflügeln, von Wasser und Wind in Jahrmillionen gestaltet. Dort stehen, als Mensch, als kleines Wesen, völlig unscheinbar inmitten der Weite und Schönheit. Schweigen. Staunen. Dem Wind lauschen. Staub aus den Augen wischen. Die Weite schnuppern. Felsbrocken unter den Sohlen fühlen. Die Ewigkeit ahnen. Und wissen: ich bin Teil dieser wunderbaren Schöpfung. Winzig klein, kaum auszumachen im großen Ganzen. Und gehöre trotzdem dazu.

An der Brisbane Cathedralpeople’s desert – dreary stones & gracious encounters

Die Wüste der Menschen – öde Steine und gnadenvolle Begegnungen.

Menschengemachte Wüsten aus Beton. Dem Leben dienlich und feindlich zugleich. Grünes in Reih und Glied, eingesperrt in Kästen und abgezirkelte Randsteine. Aufgeheizte, eisige Steine. Glas. Stahl. Abfall auf dem Gehsteig. Lärm. Abgas. Alles in hektischem Takt, Ampeln, Autos, Fußgänger. Doch auch: Oasen. Ein Grashalm durchbricht den Asphalt. Die Eile hält inne. Kinderlachen. Menschen begegnen sich. Hören sich selbst, den anderen. Schenken einander die Gnade des Augenblicks, Ansehen, ein Wort, Zeit, Hoffnung, Ruhe. Tote Steine werden lebendig. Ein Zuhause.

Katholische Kirche Leonora

faith’s desert – brimming wellspring & droughty quest

Die Wüste des Glaubens – übersprudelnde Quelle und dürre Suche.

Eine Quelle des Lebens, die meinen Händen entgleitet, will ich sie festhalten. Gott glauben ist erfrischend, stärkend, ja, beflügelnd. Zuweilen scheint Er überall und in allem und allen aufzuleuchten. Unheimlich und unheimlich schön! Doch genauso ist die Suche nach Ihm ein mühsames Unterfangen. Harte Arbeit, die Ausdauer und Geduld braucht. Und die Absicht, mich nicht nur auf mein augenscheinliches Urteil zu verlassen, sondern anzunehmen, dass es da noch etwas und jemanden jenseits dessen gibt, was ich wahrnehme. Manchmal gefällt es Ihm nämlich, einfach nur zu schweigen. Zu warten. Worauf auch immer. Ich mag das gar nicht, wenn ich nichts tun kann, etwas aushalten muss, nichts verstehe. Und merke hinterher oft: es hatte einen Sinn. Seinen. Für mich.

Weite vor Jervois Station

touched by God – bound for heaven

Von Gott berührt – dem Himmel entgegen. 

Wüste(n) erleben heißt für mich: mich selbst erleben, in meinem ganzen Dasein, mit meinen Grenzen. Die Wüsten in meinem Leben sind der Landeplatz für Gott, der Ort, wo Er mich anrührt. Er braucht sie, um mir zu zeigen: alles, was jetzt ist, ob schön, ob rauh, ob weit, ob unbarmherzig, ist von Seiner Gegenwart durchwebt – schon jetzt. Das Jetzt ist mein Ziel für heute. Doch mein eigentliches Ziel liegt woanders. Mein Leben geht, ob ich es sehe und glaube oder auch nicht, dem Himmel entgegen. Dem Ort, wo sich all die krassen Gegensätze begegnen, wieder zur Einheit werden. In Ihm. Und manchmal lässt Er mich das schon jetzt erfahren, in meiner klösterlichen Wüste. Zur Sicherheit oder zur Ermutigung, damit ich dranbleibe und nicht davonlaufe.

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