Die erste Klosterwoche

Am Weltmissionssonntag fuhr ich von Augsburg in Richtung Kloster. Noch nicht ganz geparkt, stürzten schon die Magistra und andere Schwestern, die förmlich auf der Lauer gelegen hatten, heraus zur Begrüßung 🙂 Viele helfende Hände, fast ohne mein Zutun waren das Auto leer und alle Dinge in meinem neuen kleinen Reich (die Zelle mit dem schönen Namen St. Anselm) angekommen. Einen wunderbaren Ausblick auf See und Klostergarten genieße ich von dort (siehe Bild), so kann man es aushalten!
Nach erstem Einrichten brachten wir am Spätnachmittag noch meinen Mietwagen zur Verleihstation zurück, gerieten dabei in einen Stau und wären fast (Magistra wandte italienische Fahrweise an, um das zu verhindern) zu spät zum ersten Stundengebet meines Klosterlebens gekommen. Sage einer, es würde langweilig.

Mit mir fangen zwei andere Postulantinnen an. Eine wohnt schon seit einigen Wochen hier, eine andere kam am gleichen Tag an. Ungewöhnlich heutzutage, dass es gleich drei auf einmal gibt … Ein echter Segen, durch diese Lernzeit nicht allein gehen zu müssen! Wir verstehen uns gut, so dass wir alle die berechtigte Hoffnung haben, dass ein tragfähiges Miteinander wächst.
Auch von den anderen Schwestern fühle ich mich gut aufgenommen, es herrscht ein guter Geist im Haus. Als uns die Magistra offiziell vorstellte, erwähnte sie gleich, dass ich mal Pfarrerin war. Ich war mir nicht sicher, wie die anderen darauf reagieren würden (da man mir vorher einmal sagte, für manche könne es schwierig sein), wurde jedoch positiv überrascht.
Es berührt mich, wie liebevoll hier alles vorbereitet war für uns, die wir doch eigentlich Fremde sind. Auf unseren Plätzen im Refektorium standen Blumen, auf dem Schreibtisch im Zimmer auch, dazu viele Willkommenskarten. Was noch fehlte an Einrichtung, wurde uns, kaum dass wir danach gefragt hatten, sofort organisiert.

Die erste Woche bestand aus viel Unterricht, vielen Erklärungen, wo finde ich was, was geht wie, was wird wann wie gemacht, usw. Ich bin ziemlich erschöpft. Ein paar Arbeitseinsätze gab es auch, von regulärer Arbeit waren wir jedoch noch befreit, Schonfrist für die „Küken“. Aber ab nächster Woche geht es los, für mich im Garten. Herrlich, bei diesem kühlen Herbstwetter dann viel draußen zu sein, ich freu mich drauf!

Übrigens ist das Kloster kein Ort, um zur Ruhe zu kommen … (und das meine ich gar nicht negativ). Trotz der Freude des Neuanfangs und vieler schöner Momente gab es in der ersten Woche auch schon manche Tiefpunkte. Dass die kommen würden, war klar, doch so früh habe ich sie nicht erwartet. Verlockende Fragen, warum ich mir das hier eigentlich antue, was ich haben könnte, wenn ich ein anderes Leben führen würde, Sehnsucht nach einem bestimmten anderen Ort, Fluchtgedanken. Zum Glück sieht am nächsten Tag und manchmal schon ein paar Stunden später vieles wieder anders aus. Gott sei Dank, gibt es Freunde, die ich anrufen kann. Und auch mit den anderen und der Magistra sind offene Gespräche möglich (wenn auch anders als mit den Freunden, die dürfen mehr ins Herz blicken). Aber wie sagte schon der Hl. Benedikt so weise in seiner Regel: der Weg kann am Anfang nicht anders sein als eng. Recht hat er! Ich, der seine Freiheit und Unabhängig liebende Mensch, versuche mich in dieses mir noch so fremde Lebensgebilde Kloster einzufinden. Enge und Weite wechseln sich gefühlt ab. Immerhin gibt es beide.

bildstanselmJa, und heute ist das Allerheiligenfest. Mein erstes katholisches 🙂 Ein wunderbarer Festtag, der so gar nichts von Trauer hat. Hier wird das Leben gefeiert, das aller Heiligen, auch meiner ganz persönlichen (und noch lebenden!), die in mein Leben so viel von Gottes Geist und Liebe gebracht haben und noch immer bringen. Seid versichert: da denke ich voller Dankbarkeit an ganz viele Menschen in nah und fern …
Der Tag begann mit der Feierlichen Vigil gestern Abend (mein liebstes Stundengebet gleich nach der Komplet), den Laudes heute früh und einem festlichen Frühstück. Überhaupt wird hier im Kloster jede Mahlzeit zelebriert wie ein kleines Fest. Auch an einem ganz gewöhnlichen Werktag, auch wenn nur einfach(st)e Dinge auf dem Tisch stehen. Ein schöner Brauch, der bewusst macht, welch ein Segen es ist, täglich genug zu essen zu haben. Beim Frühstück und Abendessen (und Kaffeetrinken) wird übrigens geschwiegen, beim Mittag- und Abendessen gibt es eine Tischlesung (Regel, Konstitutionen, Nachrichten, Literatur), beim Mittagessen kann nach der Lesung gesprochen werden. Ich empfinde es als angenehm, viel Zeit bei Tisch im Schweigen zu verbringen. Das nimmt Druck und entspannt das enge Miteinander.

3 Gedanken zu „Die erste Klosterwoche“

  1. Liebe Grüße nach St. Anselm! Du hast wirklich einen wunderschönen Blick aus Deinem Fenster. Da kommt mein Blick in den Garten nur fast heran. Gottes Segen für die Neue Woche, für die Enge und die Weite…

  2. Liebe Sabine,
    „Wüstenzeit“ habe ich mir gleich einmal abonniert.
    Eigentlich suchte ich etwas anderes und bin über Twitter, bei dem ich eigentlich gar nichts mache, hingeraten.
    Dir ein gutes Einleben.

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